Hauptfach Radierung


Lehrangebot der Hochschule für Bildende Künste Dresden, Grafische Werkstätten und der TU Dresden, Fakultät Architektur, Professur für Darstellungslehre





Lehrpersonen:
apl. Prof. Dietmar Nieschler, Leiter Grafische Werkstätten und Dietmar Günther, Werkstattleiter Radierung/Holzschnitt mit Prof. Dr.-Ing. Niels-Christian Fritsche

 

Lehrziel: Der Kurs behandelt das grafische Tiefdruckverfahren der Radierung (v. lat.: radere = kratzen, wegnehmen, entfernen) in der Druckwerkstatt der HfBK Dresden an der BrĂĽhlschen Terrasse. Sie lernen die Techniken Kaltnadel, Aquatinta, Vernis Mou, Reservage und Varianten. Der Kurs „Radierung“ zielt auf das Verbinden des genauen, sauber ausgefĂĽhrten Handwerks und einer fĂĽr Studierende der TU Dresden nicht selbstverständlichen kĂĽnstlerischen Bildaussage.

 

Der Kurs zum Radieren verbindet nicht nur Handwerk und Kunst. Mit dem Radieren zielen wir auch auf einen visuellen Aha-Effekt, den uns die beiden großen digitalen Programmbäume in der Architektur / Landschaftsarchitektur nicht ohne weiteres liefern: Man arbeitet eben entweder mit Vektoren im computer-aided design oder man photoshopt Pixel, also Miniflächen in der digitalen Bildbearbeitung. In der Architektur zeichnet man LINIEN und meint damit in der Regel FLÄCHEN-Begrenzungen wie Wände und Fußböden.

 

Das Radieren mit seinen „kalten“ und „warmen“ Techniken erlaubt, Linien und Flächen nahezu stufenlos ineinander zu fahren, Ăśbergänge zu verwischen und Mehrdeutigkeiten systemisch zu erzeugen. Reizt das etwa nicht zum Transport in das Entwerfen?

 

 

Leistungsanforderung:

 

- Motivsammlung (lose in Mappe ...)
- eigene Skizzen (Skizzenbuch)
- Zustände und Belegdrucke aller praktizierten Techniken in Mappe

 

 

Druckwerkstatt der HfBK Dresden an der BrĂĽhlschen Terrasse

 

Ausschnitt aus den Grafischen Werkstätten der Hochschule für Bildende Künste Dresden (Lithografie, Siebdruck, Radierung/Holzschnitt, Typografie, Fotografie, Handeinband)

 

 

ehem. Werkstattleiter Heinz Sparwart erläutert das Vorbereiten der Platten (21.10.2005)

 

 

Vorbereiten der Platten (27.01.2006)

 

 

Werkstatt-Stillleben

 

 

ehem. Werkstattleiter Heinz Sparwart bespricht das Plazieren des Druckes auf dem Blatt (27.01.2006)

 

 

Ausgewählte Ergebnisse im Sinne

einer Spanne von Möglichkeiten:

 

1.

Arbeiten als Prozess: Serien von

Zustandsdrucken und Kombinationen

 

 

Nicole MĂĽller: O.T. (‚Zweige’). Zustandsdrucke je 9,8 x 14,7 cm, Wintersemester 2006-07

 

 

Paula Noack: World Views. Kombinationsdruck, Blatt 30 x 40 cm, Wintersemester 2016-17

 

 

2.

Tradition – Naturstudie, Stillleben ...

 

Mathias Westermeier: O. T. (‚Rahmen’). Druck 10 x 9,5 cm, Wintersemester 2013-14

 

 

Armin Pommerenke: O. T. (‚Kathedrale’), Druck 10 x 14,7 cm, Wintersemester 2004-05

 

 

Hans Böttcher: Schädel. Druck 12,6 x 24,5 cm, Wintersemester 2015-16

 

 

3.

KĂĽnstlerische Moderne = expressiver Ausdruck

 

Nicole Herzog: Landschaft 01. Druck 15 x 10 cm, Sommersemester 2005

 

 

AndrĂ© Naumann: O. T. (‚Kopf’). Druck 15 x 10 cm, Sommersemester  2004

 

 

Antje Uhlig:  O. T. (‚Gnom’). Hoch- und Tiefdrucke, 15 x 10 cm Wintersemester 2006-07

 

 

4.

Studiengegenstand der Architektur / Landschaftsarchitektur ‚radieren’

 

Anna Falkenbach: O. T. (‚Treppe’). Drucke 15 x 10 cm, Sommersemester 2004

 

 

Sebastian Graf: O. T. (‚Tormotiv'), Druck 10 x 50 cm, Wintersemester 2008-09

 

 

Susanne May: O. T. (‚Interieur’). Druck 10 x 14,7 cm (Ausschnitt), Sommersemester 2003

 

 

4.

Geschichten erfinden

 

 

Max Waldmann: Modernisierung. Druck18 x 13 cm, überzeichnet. Wintersemester  2016-17

 

 

Tamara Wagner: o. T. (‚Muster’). Druck 10 x 14,5 cm, Sommersemester 2015

 

 

KatarĂ­ná Herndova: O. T. (‚Rohrgesicht’). Druck 11,5 x 13 cm, Wintersemester 2014-15

 

 

Christoph Schumann: Augäpfel. Druck 10 x 15 cm, Wintersemester 2008-09

 

 

5.

Grafische Dichten und Kontraste entwickeln

 

Hana Michalkova: Unentschieden (2. Zustand) Wintersemester 2006-07, Druck 10 x 15 cm

 

Lukas Bauer: Die Liegende. Sommersemester 2014, Druck 10 x 14,5 cm

 

 

Esther Reitz: O. T. (gedrehter Raum). Druck 15 x 19,5cm, Wintersemester 2013-14

 

 

Anne Dobers: Unterspielt. Druck 16,7 x 16 cm, Wintersemester 2015-16

 

 

Jana Läpple: A Mess. Druck 12 x 12 cm, Wintersemester 2016-17

 

 

Ausgewählte Hinweise zur Mappenabgabe

 

 

a.) Inhaltlich

 

- Blätter lose in einer Mappe abgeben
- Serien und Zustände selbstkritisch auswählen
- Bildvorlagen, Skizzen, Korrekturen und Ăśbermalungen einreichen
- nach Beschriftungskonvention beschriften:

 

 

Vereinfachte Beschriftungskonvention
___
- während des Arbeitens an starke Titel denken
- eigenen Namen voll ausschreiben
- die Originalität der Arbeiten zählt, nicht die der Mappe

 

 

b.) Stilistisch

 

zwischen Aussagen und Techniken vermitteln:     

- originelle Bildaussagen (Inhalt, Wildheit),
- kompositorische Qualität (Bildaufteilung, Motivkombination)
- ordentliches Handwerk (Experiment, Technik, Sauberkeit)
- seriell arbeiten
- Linien gegen Flächen setzen

 


c.) Bildkompositorisch

 

- Ausschnitte: was wird gezeigt und was nicht?
- Ränder belassen oder über den Rand arbeiten?
- Format: Quer / hoch / Quadrat?

- Format während des Bearbeitens drehen?
- Bild symmetrisch / unsymmetrisch anlegen?
- das Seitenverkehren beim Drucken einkalkulieren
- Motive und Schichten aneinander „vorbeifahren“ lassen

 

 

d.) Technisch

 

- Je mehr verschiedene Graustufen, desto besser
- möglichst viele grafische Unterschiede anlegen
- Experimentieren
- Fehlstellen, Fehler und Zufälle zulassen
- Werkspuren provozieren
- Platten grafisch „umdrehen“: aus einer schwarz angelegten Fläche (z. B. Weichgrundätzung) kann z. B. durch Schaben / Polieren wieder eine hellere Fläche werden, d. h. alles ist immer variabel
- Verschiebungen und Überlappungen von Linien und Flächen anstreben
- Platten rechtwinklig auflegen und sauber drucken

 

 

e.) Motivation + Sinnfrage

 

Bitte während des Arbeitens laufend fragen:

 

1.
Erzeuge ich neue eigene Grafik oder hänge ich an fremden Bildvorlagen?

 

2.
Habe ich etwas inhaltlich mitzuteilen (oder nichts zu sagen)? Wie gelingen mir als Studierender/m der Architektur / Landschaftsarchitektur ( = Weltverbesserer) weltanschauliche, politische, ökologische, studienbezogene, literarische Aussagen grafisch spannend darzustellen?

 

 

Benotungskriterien

 

- Anzahl der Motive (+ Originalität, Kombinationen)
- Anzahl der Drucke (Zustandsdrucke -> Serien)
- handwerkliche Qualität
- kĂĽnstlerische Aussagewerte (‚Habe ich etwas zu sagen?’)
___
(Ende)

 

Niels-Christian Fritsche 2005-2015

 

 

Impressum

Prof. Dr.-Ing. Niels-Christian Fritsche
Professur für Darstellungslehre, Fakultät Architektur
Technische Universität Dresden
Fotos und Bildauswahl: Niels-Christian Fritsche