Diplome

Diplom Sommersemester 2007
„Vor Ort“ - Verankern von Vorstellungen und Orten

Diplom Sommersemester 2003
Entwurf Glashaus Weißwasser

Diplom Wintersemester 2001/2002
Entwurf Tomihiro-Museum in Azuma, Präfektur Gunma, Japan



 

Diplom im Sommersemester 2007
„Vor Ort“ - Verankern von Vorstellungen und Orten in oder um Dresden

 

Thema

Die Diplomaufgabe zielt auf die architektonische Wechselwirkung zwischen Ort und Bauwerk, etwas, das oft mit »genius loci« umschrieben wird. Martin Heidegger fordert das Erkennen des Wesens eines jeweiligen Ortes als Grundlage gestalterischer Verantwortung, lange bevor der Begriff des »genius loci« zum formalistischen Allheilmittel der architektonischen Postmoderne degradiert wurde und später im stilistischen »anything goes« der 1990er Jahre unterzugehen drohte.

Uns soll die Wechselwirkung von Ort und Werk interessieren. Entwerfen wird als grundlegendes Sinn-Setzen verstanden, aus dem sich ein ‚Ent-Wurf’ morphologisch, ethisch, ökologisch und kulturell bestimmen kann. Im Gegensatz zum Entwerfen mit vorgegebenem Standort + Entwurfsaufgabe wird hier nach dem erzählerischen (nar•ra'tiven) Potential und nach den »kulturellen Prämissen« (Andrea Deplazes) beim Entwerfen gefragt, das zu ‚Kultur’ werden kann oder einfach nur zu Gebautem gerinnt.

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Ulrike Pollok: »Vor Ort – Verankern von Vorstellungen und Orten in oder um Dresden« – »Die Zwinger-Biographie«

Ulrike Pollok zeigt hier die Überlagerung der architektonisch-stadtbaugeschichtlichen Diskurse am Zwinger. Hierzu greift sie nicht weiter auf die im Tagebuch nachgewiesenen orthodoxen Planvergleiche zurück, sondern versinnbildlicht die Zwinger-Geschichte mit Frottagen aus zwei für wesentlich befundenen Zeitschichten, dem Pöppelmannschen Maximalentwurf (um 1715) sowie dem Status Quo mit der Semperoper und dem Sächsischen Landtag. Das Überlagern der mittelalterlichen Feste Dresden mit den barocken Gesamtplanungen sowie den Semperschen Großbauten bestätigt die Maßgeblichkeit des philosophischen »Archivierens« nach Michel Foucault.

Entwurfstagebuch als Skizzenblattstapel

Styropor-Modell - durch den Verzicht auf farbliche Unterscheidungen sowie durch den Einsatz einer einzigen fiktiven Gebäudehöhe entstehen so genannte ‚narrative Schollen’.

2008 erhält Ulrike Pollok für ihre Diplomarbeit den Sonderpreis zum Architekturpreis 5 der Fakultät Architektur - Herzlichen Glückwunsch!

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Susann Kubatta: »Vor Ort – Verankern von Vorstellungen und Orten in oder um Dresden – Kinder-Mediathek im Blüherpark«

Die besondere Stärke der Diplomarbeit von Susann Kubatta liegt im intellektuellen und entwerferischen Verbinden des ehemaligen Palais der Secundogenitur mit dem bestehenden Kindermuseum im Deutschen Hygiene-Museum und der bestehenden Schule für Erziehungshilfe »Erich Kästner«, einer Förderschule im Grundschulbereich.

Mit dem Vorschlag einer »Kinder-Mediathek im Blüherpark« (Susann Kubatta) wird die verloren gegangene Schwelle zwischen Innenstadt und Großem Garten – die Leere zwischen der Erich-Kästner-Schule und dem Deutschen Hygiene-Museum - geschichtlich, funktional und architekto-nisch zu einer städtebaulich wahrnehmbaren Reihe von Großbauten umge-deutet.

Collage mit einem frühen Entwurfsmotiv mit dem Deutschen Hygiene-Museum (links) und der Grundschule (rechts)

Modell mit dem Deutschen Hygiene-Msuem in der Bildmitte (weiss), dem Entwurf (Holz) sowie der Grundschule (Doppel-H-Motiv, rechts)

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Thomas Neustadt: »Vor Ort – Verankern von Vorstellungen und Orten in oder um Dresden“ – Brücke-Museum in der ehemaligen Lampenfabrik in der Gröbelstrasse in Dresden-Löbtau«

Zum Retten des mit der Lampenfabrik verbundenen weltkulturge-schichtlichen Potentials schlägt Thomas Neustadt ein Dresdner Brücke-Museum vor. Dabei soll es sich weder um eine Kopie des seit vierzig Jahren erfolgreich etablierten Berliner Brücke-Museums handeln - schon gar nicht um eine Kopie der dort verfolgten Werkpflege - sondern um ein Bildermuseum, das den Expressionismus mit zeitgenössischer Kunst in Verbindung bringt.

Thomas Neustadt folgt damit der aktuellen Auf-fassung zum phänomenologischen und assoziativen Kuratieren, das die sichtbaren und die inhaltlichen Ähnlichkeiten von Kunstwerken vor chronologisches Ordnen und orthodoxes Sammeln stellt.

Thomas Neustadt begründet das Konzept eines kleinen Bildermuseums im Vorort Löbtau nicht nur kunstgeschichtlich, sondern verankert sein »Brücke-Museum« als weiteren prominenten Baustein im weit gefächerten Bezugssystem von exzellenten kleinen Museen und Galerien in Dresden.

Pinnwand zur Konsultation am 20.07.07 mit den verschiedenen Beleuchtungskonzepten

Schnittmodell - die besonderen kuratorischen Forderungen nach natürlicher Beleuchtung - für die Aquarelle der »Brücke« ein nach Norden ausgerichtetes Sheddach, Zenitallicht für die Wechselausstellung mit großen, zeitgenössischen Formaten, eine Lichtdecke für die klein-formatigeren Ölbilder und schließlich Seitenlicht für die Kleinplastiken der »Brücke«-Künstler

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Till Schuster: »Vor Ort – Verankern von Vorstellungen und Orten in oder um Dresden – Ein Mauerfragment am Postplatz« [ Hotel am Postplatz ]

Till Schuster wählt die Sockelmauer des zwischen 1871 und 1907 erbauten und 1945 schwer getroffenen Post- bzw. später Telegrafenamtes am Postplatz zwischen Marienstrasse, Annenstrasse und Am See als Thema seines Diploms, nachdem er verschiedene andere Ort in Dresden in Betracht gezogen hatte.

Nach Aussage von Till Schuster ist die Sockelmauer des ehemaligen Telegrafenamtes am Postplatz die letzte verbleibende Ruine in der Dresdener Innenstadt, deren Verbleib als Zeichen der Zerstörung Dres-dens 1945 ungesichert ist, da sie nicht unter Denkmalschutz steht. Till Schuster setzt sich mit der Phänomenologie der Mauer, den verschiedenen Stadtplänen seit dem 16. Jahrhundert, sowie einer langen Reihe von zeitgenössischen architektonischen Motiven auseinander.

Das parallele Recherchieren des Sichtbaren, des Gewesenen und des Möglichen fördert verschiedene Motivstrecken zutage, die in Form von außerordentlich anregenden, grundsätzlichen Architekturbildern im Entwurfstagebuch zusammengefasst werden.

Ausschnitt aus dem Lageplan mit den Stadtbefestigungen (blau und rot), der heutigen Bebauung (schwarz) und dem 2007 gültigen Stadtentwicklungskonzept (grau)

Skizze zur Sicht vom Postplatz (Entwurfsphase)

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Fotos: Niels-Christian Fritsche, 2005, 2008

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Diplom Sommersemester 2003
Entwurf Glashaus Weißwasser

Die >Große Kreisstadt Weißwasser< ist eine der wirtschaftlich und sozial problematischsten Städte in Sachsen. Eine Chance für eine fördermittelunabhängige Zukunft vor dem Hitergrund der EU-Osterweiterung besteht im Konzept zu einer stadteigenen Gesellschaft zum Fortführen des glasbläserischen Handwerks.

Neben dem Besinnen auf die durch den Industriedesigner Wilhelm Wagenfeldt (1900-1990) eingeführten ästhetischen Standards bei Gebrachsglas in einer neuen, kunstwissenschaftlich ausgearbeiteten Form des bestehenden Glasmuseums soll der Entwurf zum Glashaus ein Innovationszentrum mit Lizenzbörse, ein >Factory Outlet< für Glasprodukte sowie ein Glasstudio (Prüf- und Schulungswerkstatt für technisches und Gebrauchsglas) unerstützen.

Die detailierte Aufgabenstellung finden Sie hier:

> Aufgabenstellung.pdf

Kai-Uwe Reitmann entwirft eine funktionale Hybridität des >Glashauses< in architektonischen Musterreihen entlang von Nutzungslinien. Nutzungen werden zunächst räumlich modelliert und sodann an räumlichen darstellungen überprüft. Die Dokumentation des Entwurfs in Grundrissen, Schnitten und Ansichtenentwickelt sich aus der Interpolation zwischen der dreidimensionalen Modellierung und der zweidimensionalen Visualisierung. Ziel ist das intelligente Verzahnen von offenen und geschlossenen Zonen.

Die glasmuseale Sammlung wird überraschenderweise in den Obergeschossen eingerichtet. Der Weg in das Museum wird zum hauptsächlichen entwerferischen Motiv. Glaswerkstatt, Lizenzbörse sowie die Designstudios werden aus unterschiedlichen Winkeln sichtbar und öffentlich. Die vorgeschlagenen Matix an Räumen und Motiven erweitert den Typus des zeitgenössischen Geschäftshauses, ohne auf für Weißwasser unangemessene großstädtische Muster zurückzugreifen.

 

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Diplom Wintersemester 2001/2002
Entwurf Tomihiro-Museum in Azuma, Präfektur Gunma, Japan

Annabel Blanck

Prof. Dr.-Ing. Niels-Christian Fritsche
Dipl.-Ing. Jörg R. Noennig
Lehrstuhl Industriebau


SHI-GA, die Verbindung von Aquarellen mit textlichen Formen von Gedichten und Erzählungen, besitzt in Japan quasi religiösen Charakter. Die im SHI-GA angelegte Symbiose kann auf die Möglichkeiten einer architektonischer Übersetzung untersucht werden. Als ausschlaggebend wird die Vermittlung zwischen Landschaftsbezug und Kriterien zum Ausstellen von kleinformatigen Aquarellen angesehen.

 

 

Das >U< mit langem Steg, parallel zu Topografie und Wasserkante, wird durch einen unter der Schottenstruktur der Ausstellungskuben durchgesteckten Landschaftshof zu einem tragfähigen, einfachen wie auch komplexen Entwurfsmotiv. So versprechen sich mehrschichtige Rahmungen der Blicke in
den Landschaftsraum mit Stausee. Das Gliedern der Brücke in Kabinette und gläserne Verbinder schafft eine spannende Rhythmisierung von Natur- und Kunstlicht und erweist sich als originelle, neue Konzeption zum Kabinettmuseum.

 

 

 

 

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