Kurze Beschreibung der Motive zum Bedrucken von Bauzaunplanen f√ľr die Baustellen der TU Dresden (2013)

 

 

Die Motive stammen aus dem Fundus der Professur f√ľr Darstellungslehre an der Fakult√§t Architektur der TU Dresden. Die Auswahl der Motive erfolgte unter f√ľnf Gesichtspunkten. Die Reihenfolge der Aspekte und die Nummerierung der Planen stellen keine Wertung dar.

 

1. Motive, die f√ľr die Passanten der Baustellen interessant und verst√§ndlich sein sollen.
2. Motive, die eine grafische Wucht besitzen, ohne in die Nähe von Werbegrafik zu geraten.
3. Motive, die etwas mit der TU Dresden und der Stadt Dresden zu tun haben.
4. Motive, die die Lehre an der Professur f√ľr Darstellungslehre sinnf√§llig dokumentieren.
5. Motive, die sich f√ľr die besondere Darstellungsform der Bauzaunplanen eignen.

 

 

Hier einige Gedanken zur Auswahl der Motive:

 

Studierende der Architektur lernen das Entwerfen von neuen H√§usern, St√§dten und Landschaften. Dazu ist ein Verstehen der Umwelt und von Kunst n√∂tig, das weit √ľber das gekonnte Abmalen hinausgehen sollte. Wir bieten zwei Richtungen an, die man grob unter a.) „Dokumentieren“ und b.) „Entwerfen“ einordnen k√∂nnte und die absichtsvoll auf √úberlappung gen√§ht sind, um im Metier der Bauzaun- bzw. LKW-Planen zu funktionieren.

 

a.)
„Dokumentieren“

 

a. - 1. Wir trainieren das aus der Kunstakademie kommende Naturstudium, wie etwa das Aktzeichen (Planen 1, 33), die Zeichenschule von Betty Edwards (Plane 19) und das Zeichnen ¬†‚Äövor Ort’ auf Zeichenexkursionen (Planen 4, 40).

 

a. - 2. Wie kann man Architektur (Plane 11) und von Landschaftsarchitektur (Plane 34) zusammenhängend und packend darstellen?

 

a. - 3. Aus den analytischen Zeichnungen k√∂nnen komplexe Erkl√§rungsbl√§tter abgeleitet werden. Dazu sind in der Auswahl ein Entwurf auf Transparentpapier (Plane 15) und zwei ausgearbeitete „Simultan-Pl√§ne“ zu Lehrgeb√§uden der TU enthalten (Planen 16, 37).

 

a. - 4. Die Stadtanalysen können weiter geschichtlich und soziologisch vertieft werden (Plane 20), bis hin zu bildsprachlichen Geschichten (Plane 30).

 

 

b.)
„Entwerfen“


Von Architekten werden zeichnerische Entw√ľrfe und Modele erwartet, die dem urheberrechtlichen Neuigkeitsgebot entsprechen, die originell sind, und die gleichzeitig geschichtsbewusst, technisch machbar und √∂kologisch verantwortungsvoll angelegt werden. Uns geht es um das fr√ľhzeitige Anlegen der architektonischen Doppelf√§higkeit zum freien, ungebundenen Arbeiten, dem, was man gemeinhin als „kreativ“ bezeichnet, und dem weiterf√ľhrenden konzeptionellen Arbeiten, das an die zeitgen√∂ssische Kunst angelehnt ist.

 

b. - 1. Der erste freie Schritt besteht im Erzeugen von visuellen Direktvergleichen durch das Fotografieren, das Malen und das Modellieren (Planen 14, 32). Was kann welche Darstellungstechnik? Wie vergleicht und wie wertet man visuelle √Ąhnlichkeiten?

 

b. - 2. Das freie, ungebundene Arbeiten kann mit einem jeweils neuen Handwerk verbunden werden, so etwa beim „Blockseminar Sandstein“ (Plane 45) und dem Kurs „Zeichnung und Malerei als k√ľnstlerische Notiz“ (Planen 18, 28). Der Kurs „Radierung“ soll das anspruchsvolle Druckhandwerk mit einer eigenst√§ndigen bildnerischen Aussage verbinden (Planen 2, 7).

 

b. ‚Äď 3. Weitere Kurse sollen zum folgerichtigen, wenngleich freien konzeptionellen Entwerfen f√ľhren. Die Zeichenexkursionen sind so angelegt, dass das Vor-Ort-Erlebnis von ma√ügeblicher Architektur zum aufgabenfrei-konzeptionellen Weiterarbeiten anregen kann (Planen 6, 10, 21).

 

b. ‚Äď 4. Die architektur- und kunstgeschichtliche Vertiefung wird im Kurs „Erinnern und Entwerfen“ angeboten. Dabei werden konzeptionelle Methoden wie das Nachahmen (Mimesis), das Verwandeln (Metamorphose) und das Verzerren (Anamorphose) von Motiven auf die Architekturgeschichte bezogen und dazu kunsttheoretisch behandelt (Planen 27, 39).

 

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Zur√ľck zum Unterscheiden a.) „Dokumentieren“ und b.) „Entwerfen“: Wie flie√üend die √úberg√§nge angelegt sind und wie produktiv man hin- und herarbeiten kann, sollen einige Bildpaare zeigen. ¬†

 

Der Kurs „Radierung“ bietet sowohl die M√∂glichkeit, ein frappierend wuchtiges Architekturmotiv zu „kratzen“ (Plane 2), als auch eine komplett neue Bildwirklichkeit zu erfinden (Plane 7).

 

Der Kurs „Zeichnung und Malerei als k√ľnstlerische Notiz“ regt wiedererkennbare Motive (Plane 28) und freie, selbstst√§ndige Arbeit an (Plane 18).

 

Die Zeichenexkursionen vertieft die Routine zum räumlichen Skizzieren (Plane 4) und regt zudem zum Weiterverarbeiten und dem Verselbstständigen der vor Ort betrachteten architektonischen Motive an (Planen 6, 10, 21).

 

Der Kurs „Architektur & Fotografie“ beginnt mit der Analyse von Architektur und regt sodann zu eigenst√§ndigen fotografischen Bildentw√ľrfen an (Planen 3, 22).


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Möglicherweise auftauchende Fragen:

 

Zeichen Architekturstudenten keine Häuser mehr? - Doch, findet man hier nicht jede Menge Zeichnungen zu Menschen, Möbeln, Häusern und Stadt-Motiven? Allerdings sind die besseren Zeichner nicht automatisch auch die besseren Architekten oder Landschaftsarchitekten...

 

 

Warum sind die Planen durcheinander geh√§ngt, was die Nummerierung betrifft? ‚Äď Zum einen sollte die Auswahl aus Platzgr√ľnden nur recht vorsichtig als repr√§sentativ bezeichnet werden, zum anderen ist die Mehrfachverwendung der Bauzaunplanen an unterschiedlichen Baustellen der TU Dresden vorgesehen. Die Reihenfolgen werden sich demnach bei jeder H√§ngung ver√§ndern. Zudem sollte der Ort die Auswahl bestimmen: Nicht alles funktioniert √ľberall, was die Beleuchtung, den Betrachterabstand und den Hintergrund betrifft...¬†

 

Sind die Bauzaunplanen nicht ein Widerspruch in sich, was das Zeigen von Motiven (den Bedruckungen) und das Verbergen der dahinter hoffentlich funktionierenden Baustelle betrifft? ‚Äď Ja!

 

Niels-Christian Fritsche (2013)

 

 

 

PS: Urheberrecht / Copyright

 

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Beauftragung:
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Dezernat 4
Liegenschaften, Technik und Sicherheit
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